Wie arbeiten Frauen in der Lausitz? Ein Blick auf Arbeitszeit und Nationalität

Netzwerkbüro Lausitz 4. Newsletter 2026 Grafik BiMo

Wie Frauen in der Lausitz arbeiten, unterscheidet sich deutlich danach, ob sie die deutsche oder eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzen. Aktuelle Zahlen des Netzwerkbüros Bildung in der Lausitz zeigen dabei interessante Entwicklungen und machen zugleich strukturelle Herausforderungen auf dem regionalen Arbeitsmarkt sichtbar.

Teilzeit nimmt bei Frauen zu

Betrachtet man die weiblichen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Lausitz über einen Zeitraum von zehn Jahren, zeigt sich eine deutliche Verschiebung von Vollzeit hin zu Teilzeit. Im Juni 2015 arbeiteten noch 101.592 Frauen und damit 52 Prozent der weiblichen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Vollzeit. Zehn Jahre später, im Juni 2025, waren es nur noch 87.393 Frauen beziehungsweise 44 Prozent. Gleichzeitig ist die Zahl der teilzeitbeschäftigten Frauen deutlich gestiegen: von 93.695 Frauen im Jahr 2015 auf 111.372 Frauen im Jahr 2025. Damit arbeiteten im Juni 2025 insgesamt 56 Prozent der weiblichen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Lausitz in Teilzeit.

Diese Entwicklung verweist auf strukturelle Fragen, die Frauen auf dem Arbeitsmarkt besonders betreffen. Dazu gehören unter anderem die nach wie vor ungleiche Verteilung von Care-Arbeit, traditionelle Rollenbilder und die Arbeitsbedingungen in Branchen, in denen besonders viele Frauen beschäftigt sind.

Nationalität macht einen Unterschied

Ein genauerer Blick auf die Arbeitszeit zeigt zudem Unterschiede zwischen Frauen mit deutscher und ausländischer Staatsangehörigkeit. Bei den weiblichen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ohne deutsche Staatsangehörigkeit ist der Anteil der Teilzeitbeschäftigten innerhalb von zehn Jahren zwar von 40 auf 44 Prozent gestiegen. Dennoch arbeitet die Mehrheit dieser Frauen weiterhin in Vollzeit. Im Juni 2025 waren es 56 Prozent. Bei den weiblichen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit deutschem Pass lag der Vollzeitanteil dagegen bei lediglich 43 Prozent. Damit beträgt der Unterschied zwischen beiden Gruppen inzwischen 13 Prozentpunkte. Zehn Jahre zuvor waren es noch 8 Prozentpunkte.

Die Zahlen zeigen: Die Arbeitsrealitäten von Frauen in der Lausitz sind vielfältig. Der unterschiedliche Vollzeitanteil von Frauen mit deutscher und ausländischer Staatsangehörigkeit kann auf unterschiedliche Lebensentwürfe, familiäre Strukturen oder Betreuungsnetzwerke hinweisen. Die Statistik allein kann jedoch nicht erklären, welche konkreten Gründe hinter diesen Unterschieden stehen.

Mehr Chancengleichheit durch bessere Rahmenbedingungen

Die zunehmende Teilzeitbeschäftigung von Frauen ist deshalb nicht nur eine Frage individueller Entscheidungen. Sie steht auch im Zusammenhang mit den Rahmenbedingungen, unter denen Erwerbsarbeit und Sorgearbeit miteinander vereinbart werden können.

Ein bedarfsgerechter Ausbau von Kinderbetreuung und Pflegeinfrastruktur sowie flexible und familienfreundliche Arbeitsmodelle können dazu beitragen, Frauen bessere Möglichkeiten für eine existenzsichernde und berufliche Entwicklung zu eröffnen. Gleichzeitig sind diese Maßnahmen angesichts des zunehmenden Fachkräftebedarfs in der Lausitz auch für die regionale Wirtschaft von Bedeutung.

Gerade mit Blick auf den Strukturwandel lohnt es sich daher, genauer hinzuschauen: Welche Bedingungen brauchen Frauen mit unterschiedlichen Lebenssituationen und Hintergründen, um ihre beruflichen Potenziale einbringen zu können?

Internationale Arbeitskräfte als Potenzial für die Lausitz

Der Zusammenhang zwischen Geschlecht, Nationalität und Beschäftigung wird auch im neuen Fokuspapier des Netzwerkbüros Bildung in der Lausitz näher untersucht. Unter dem Titel „Internationale Arbeitskräfte in der Lausitz: Potenzial zur Fachkräftesicherung im Strukturwandel“ beleuchtet das Ende August erscheinende Papier die Entwicklung der Integration ausländischer Menschen in den regionalen Arbeits- und Ausbildungsmarkt.

Dabei wird auch die geschlechtsspezifische Perspektive berücksichtigt. Denn die Frage, wie internationale Arbeitskräfte in der Lausitz ankommen und welche Chancen sie auf dem Arbeitsmarkt haben, ist eng mit den unterschiedlichen Lebensrealitäten von Frauen und Männern verbunden.

Für die Lausitz bedeutet Fachkräftesicherung deshalb auch, die Vielfalt der Frauen auf dem Arbeitsmarkt mitzudenken und Rahmenbedingungen zu schaffen, die unterschiedliche Lebensentwürfe ermöglichen.

Quelle: Netzwerkbüro Bildung in der Lausitz, Datenstand Juni 2025

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