Auf einen Kaffee mit Marion Richter: Über Führung, Mut und die Zukunft der Lausitz

LausitzerFrauennetzwerk MarionRichter ©ChristianeSchleifenbaum web

Ausverkauftes „Auf einen Kaffee mit …“ von Lausitz Frauen im Sweet Candy in Cottbus

Wie merkt eine Frau eigentlich, dass Führung zu ihr passt? Welche Chancen bietet der Strukturwandel in der Lausitz? Wie lassen sich Familie und Beruf miteinander verbinden? Und welche Veränderungen wird Künstliche Intelligenz in unserer Arbeitswelt mit sich bringen?

Mit diesen und vielen weiteren Fragen beschäftigte sich die aktuelle Ausgabe unseres Formats „Auf einen Kaffee mit …“ von Lausitz Frauen. Zu Gast war Marion Richter, seit dem 1. Dezember 2025 die erste weibliche Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Cottbus. Die Veranstaltung im Sweet Candy in Cottbus war ausverkauft und bot einen wunderbaren Rahmen für einen persönlichen Nachmittag mit offenen Gesprächen, spannenden Impulsen und vielen Fragen aus dem Publikum.

Durch den Nachmittag führte Jana Kostbar, die mit ihrer offenen und herzlichen Art für eine angenehme Atmosphäre sorgte.

Frauen kennenlernen und Geschichten hören

Mit dem Format „Auf einen Kaffee mit …“ möchte Lausitz Frauen interessante Frauen aus unserer Region kennenlernen und sichtbar machen. Dabei geht es nicht nur um berufliche Positionen und Erfolge. Vielmehr steht die Persönlichkeit hinter der jeweiligen Rolle im Mittelpunkt.

Was hat eine Frau geprägt? Welche Erfahrungen haben ihren beruflichen Weg beeinflusst? Was treibt sie an? Welche Entscheidungen haben sie weitergebracht? Und welche Erfahrungen möchte sie an andere Frauen weitergeben?

Mit Marion Richter war eine Gesprächspartnerin zu Gast, die auf mehr als 30 Jahre Berufserfahrung bei der Bundesagentur für Arbeit zurückblickt. In dieser Zeit hat sie zahlreiche unterschiedliche Stationen durchlaufen und umfangreiche Erfahrungen in den Bereichen Personal, Führung und regionale Entwicklung gesammelt. Seit Dezember 2025 steht sie an der Spitze der Agentur für Arbeit Cottbus und gestaltet damit die Entwicklung unserer Region aktiv mit.

„Woran bemerke ich als Frau: Führung kann ich?“

Eine der ersten Fragen des Nachmittags beschäftigte sich mit weiblicher Führung. Woran erkennt eine Frau, dass sie das Potenzial für eine Führungsposition hat? Marion Richter beschrieb eine Erfahrung, die sie selbst auf ihrem beruflichen Weg gemacht hat. Sie bemerkte es daran, dass Kolleginnen und Kollegen zu ihr kamen, sie um Rat fragten und Unterstützung suchten.

Für sie sind dabei vor allem drei Dinge entscheidend: gute Kommunikation, Empathie und die Fähigkeit, unterschiedliche Menschen mit ihren jeweiligen Stärken miteinander zu verbinden. Führung bedeutet für Marion Richter damit nicht allein, Entscheidungen zu treffen oder Verantwortung für ein Team zu übernehmen. Es geht ebenso darum, Menschen wahrzunehmen, zuzuhören, ihre Fähigkeiten zu erkennen und sie miteinander zu verbinden.

Gerade dieser persönliche Aspekt von Führung wurde im Gespräch immer wieder deutlich. Gute Führung braucht Fachwissen und Entscheidungsstärke. Sie braucht aber ebenso Verständnis für andere Menschen und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

Vier Ratschläge für junge Frauen

Was rät Marion Richter jungen Frauen, die selbst eine Führungsposition anstreben? Ihre Antwort lässt sich in vier zentrale Punkte zusammenfassen.

1. Menschen, die einen sehen und fördern

Auf dem beruflichen Weg ist es wertvoll, Menschen an seiner Seite zu haben, die Potenzial erkennen und fördern. Das können Vorgesetzte, Kolleginnen und Kollegen, Mentorinnen und Mentoren oder andere Wegbegleiter sein.

2. Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen

Mutig sein, Dinge ausprobieren und sich selbst etwas zutrauen. Nicht jede Entscheidung muss von Anfang an perfekt sein. Wichtig ist, Erfahrungen zu sammeln und sich die Möglichkeit zu geben, Neues auszuprobieren.

3. Chancen und Möglichkeiten nutzen

Marion Richter ermutigte dazu, Möglichkeiten nicht vorschnell auszuschließen. Wer neue Aufgaben übernimmt und sich auf unbekannte Situationen einlässt, sammelt Erfahrungen. Nicht jeder Versuch muss zum direkten Erfolg führen. Auch aus Umwegen lässt sich viel lernen.

4. Authentisch bleiben

Ein weiterer wichtiger Punkt ist für Marion Richter die eigene Authentizität. Lockerheit bewahren, sich nicht verstellen und möglichst etwas tun, das man wirklich gerne macht. Wer mit Überzeugung und Freude bei der Sache ist, bringt eine wichtige Grundlage für gute Arbeit und gute Führung mit.

Eine Botschaft wurde dabei besonders deutlich: Frauen müssen nicht versuchen, einem bestimmten Bild von Führung zu entsprechen. Es geht darum, den eigenen Weg zu finden und den Mut zu haben, ihn auch zu gehen.

Wie frauenfreundlich kann der Strukturwandel sein?

Natürlich ging es auch um eines der wichtigsten Themen unserer Region: den Strukturwandel. Die Lausitz befindet sich in einem tiefgreifenden Veränderungsprozess. Neue Unternehmen, Institutionen und Arbeitsplätze entstehen. Gleichzeitig haben viele dieser Stellen zunächst einen Projektcharakter und sind befristet.

Kann der Strukturwandel auch frauenfreundlicher gestaltet werden?

Marion Richter betonte, dass der Aufbau neuer Strukturen Zeit brauche. Viele Entwicklungen befänden sich noch in einer Aufbauphase. Langfristig gehe es darum, eine stärkere und tragfähige Wirtschaftsstruktur für die Region zu schaffen.

Für Frauen eröffnet dieser Wandel zahlreiche Möglichkeiten. Neue Branchen und Tätigkeitsfelder entstehen. Forschung, Gesundheit, Technologie und Innovation gewinnen an Bedeutung. Damit entstehen auch neue Chancen für Frauen, sich beruflich einzubringen und Führungsverantwortung zu übernehmen.

Gleichzeitig bleibt es wichtig, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Frauen diese Chancen auch tatsächlich nutzen können.

Familie und Beruf

Ein Thema, das viele Frauen besonders beschäftigt, ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Die Familiengründung bringt häufig Veränderungen im beruflichen Alltag mit sich. Dabei stellt sich für viele Frauen die Frage, wie lange sie aus dem Beruf aussteigen können oder möchten, ohne später berufliche Nachteile zu erleben.

Marion Richter plädiert dafür, dass jede Familie individuell eine möglichst faire Lösung finden sollte.

Gleichzeitig sei nicht zu leugnen, dass sich während einer längeren beruflichen Abwesenheit vieles verändern kann. Neue Aufgaben entstehen, Arbeitsabläufe entwickeln sich weiter und auch Anforderungen können sich verändern. Nach einer längeren Elternzeit kann deshalb einiges nachzuholen sein.

Damit wird deutlich, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht allein eine persönliche Entscheidung von Frauen ist. Auch Unternehmen und Arbeitgeber sind gefragt, flexible und familienfreundliche Arbeitsmodelle zu ermöglichen.

Künstliche Intelligenz verändert unsere Arbeitswelt

Ein weiteres Zukunftsthema durfte bei einem Gespräch über den Arbeitsmarkt natürlich nicht fehlen: Künstliche Intelligenz.

Ist KI eine Gefahr für unsere Arbeitsplätze?

Marion Richter sieht die Entwicklung vor allem als eine Veränderung, die wir aktiv mitgestalten sollten. Den Einzug von KI können wir nicht verhindern. Wir können aber beeinflussen, wie wir mit ihr umgehen und wie wir sie in unsere Arbeitswelt integrieren.

Eine zentrale Kompetenz der Zukunft ist für sie deshalb das lebenslange Lernen. Dazu gehört zunehmend auch KI-Kompetenz. Niemand hat ausgelernt.

Dabei unterscheidet Marion Richter zwischen Berufen und einzelnen Tätigkeiten. Ihrer Einschätzung nach werden tendenziell eher bestimmte Tätigkeiten durch KI ersetzt oder verändert als komplette Berufe.

Gleichzeitig gibt es Bereiche, in denen der Mensch auch in Zukunft unverzichtbar bleibt. Menschlichkeit, Empathie und Verantwortung werden weiterhin eine wichtige Rolle spielen und könnten in einer zunehmend digitalen Arbeitswelt sogar noch wichtiger werden.

Welche Berufe werden in der Lausitz künftig gebraucht?

Auch die Frage nach den beruflichen Entwicklungen der kommenden Jahre wurde ausführlich besprochen.

Ein besonders wichtiger Faktor ist der demografische Wandel. Bereits heute ist spürbar, dass Arbeitskräfte fehlen. Zugewanderte Menschen können diese Entwicklung aktuell teilweise abfedern. In wenigen Jahren wird der demografische Wandel jedoch in allen Branchen noch deutlich stärker zu spüren sein.

Damit wird die Frage nach Fachkräften zu einer zentralen Zukunftsfrage für die gesamte Region.

Großes Potenzial sieht Marion Richter außerdem in Forschung und Entwicklung. Als Beispiel nannte sie den Medizinischen Universitätscampus Lausitz und die damit verbundenen Entwicklungen rund um Forschung und Medizin.

Auch Gesundheit und Pflege werden angesichts der demografischen Entwicklung weiter an Bedeutung gewinnen. Robotik kann in diesen Bereichen zukünftig unterstützen und bestimmte Aufgaben erleichtern. Die komplexen Tätigkeiten in Pflege und Gesundheit lassen sich jedoch nicht einfach durch Künstliche Intelligenz ersetzen.

Gerade in diesen Bereichen zeigt sich, wie wichtig menschliche Fähigkeiten bleiben. Empathie, Verantwortung und persönliche Beziehungen können nicht einfach durch Technologie ersetzt werden.

Ein Nachmittag voller Themen

„Auf einen Kaffee mit Marion Richter“ war ein Nachmittag, an dem viele unterschiedliche Themen zusammenkamen. Es ging um Führung, Selbstvertrauen und berufliche Entwicklung. Es ging um Familie und Beruf, um den Strukturwandel und die Veränderungen unserer Arbeitswelt. Und natürlich ging es um die Zukunft der Lausitz.

Vor allem aber ging es um Menschen.

Das ausverkaufte Sweet Candy zeigte, wie groß das Interesse an diesen Themen ist. Gleichzeitig wurde deutlich, wie wertvoll persönliche Begegnungen und ehrlicher Austausch sind.

Netzwerken bedeutet nicht nur, neue Kontakte zu knüpfen. Es bedeutet, Erfahrungen zu teilen, Fragen zu stellen, voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu ermutigen.

Genau dafür steht Lausitz Frauen.

Danke für diesen besonderen Nachmittag

Eine solche Veranstaltung entsteht nicht allein durch ein gutes Gespräch. Sie lebt von vielen Menschen, die mit Ideen, Engagement und Herzblut dazu beitragen, dass aus einer Idee ein besonderer Nachmittag wird.

Unser besonderer Dank gilt Candy Hansch, dass wir mit „Auf einen Kaffee mit Marion Richter“ bei ihr im Sweet Candy zu Gast sein durften. Liebe Candy, danke für deine Gastfreundschaft und dafür, dass wir diese schöne Veranstaltung in deinem Haus durchführen konnten. Das Sweet Candy hat unserem Nachmittag einen wunderbaren und persönlichen Rahmen gegeben.

Ein herzliches Dankeschön geht auch an Christiane Schleifenbaum für die wieder einmal wunderbare Dokumentation unserer Veranstaltung. Mit ihren Bildern hält sie die vielen schönen Momente fest und gibt uns die Möglichkeit, diesen besonderen Nachmittag auch im Nachhinein noch einmal lebendig werden zu lassen.

Und natürlich möchten wir uns bei unserem großartigen Team bedanken. Jana Kostbar, Kristin Becker, Marie Tallarek und Shahrzad Loitsch Dehghani haben mit viel Engagement und Tatkraft an der Umsetzung der Veranstaltung mitgewirkt. Danke für eure tolle Teamarbeit, eure Unterstützung und dafür, dass ihr euch mit so viel Freude eingebracht habt.

Ein großes Dankeschön gilt selbstverständlich auch Marion Richter für ihre Offenheit, ihre persönlichen Einblicke und die vielen wertvollen Gedanken, die sie mit uns geteilt hat. Danke für das ehrliche Gespräch, die klaren Worte und die Ermutigung, Chancen zu nutzen, mutig zu sein und den eigenen Weg zu gehen.

Und nicht zuletzt bedanken wir uns bei allen Frauen, die an diesem Nachmittag dabei waren. Eure Fragen, eure Gedanken und eure Offenheit haben das Gespräch bereichert und genau das möglich gemacht, was unser Netzwerk ausmacht: miteinander ins Gespräch kommen, Erfahrungen teilen, neue Perspektiven kennenlernen und sich gegenseitig inspirieren.

Wir freuen uns schon auf die nächste Ausgabe von „Auf einen Kaffee mit …“ und auf viele weitere Begegnungen mit Frauen, die unsere Lausitz mitgestalten.

©️📷 Christiane Schleifenbaum

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